Maschinenbau Klimawandel Zukunft

Als Journalistin weiß ich bei vielen Pressemitteilungen nicht, ob ich lachen, weinen oder mich ärgern soll. Aktuell erhielt ich vom VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V.) eine PM in der er weinte, dass es zu wenige Erstsemester im Maschinen- und Anlagenbau und der Elektrotechnik gäbe. Boah ey, was für eine Erkenntnis – die auch schon 30 Jahre alt ist. 

Er weint, weil wir ja den Klimawandel haben und wir deshalb zukünftig dringendst gut ausgebildete Ingenieure benötigen würden. Alles richtig. Aber: Woher kommt denn das?

Fangen wir doch mal in der Schule an. Viele, um nicht zu sagen, das Gros der Lehrer studiert auf Lehramt, weil sie die Leistungen in den regulären Studienfächern nicht bringen. Woher kommt’s? Sie haben eine schlechte Schulausbildung, weil ihre Lehrer zu einem großen Teil auf Lehramt studierten, da sie die Leistungen in den regulären Studienfächern nicht erbrachten. Da beißt sich die Ratte das erste Mal selbst in den Schwanz.

So viele Bücher – so wenig Zeit

Viele Studenten erbringen die Leistungen in MINT-Fächern nicht, weil sie die Zusammenhänge nicht verstehen. Wie aber soll ich bitte schön jemandem Zusammenhänge erklären, wenn ich es selbst nicht kapiere?

Dann ist man endlich aus der Schule raus – und macht eine Ausbildung. Andere wollen tatsächlich studieren – und wissen nicht, welches Fach sie studieren sollen. Wie bitte? Wenn ich nicht weiß, was ich studieren will, ist das nur ein Zeichen dafür, dass ich nur studieren will, weil ich zu faul zu einer Ausbildung bin. Solche Studenten belegen die Studienplätze, füllen die Unis, die Kurse sind zu voll – und niemand lernt richtig. 

Wenn sich jemand bewusst für das Maschinen- und Anlagenstudium oder die Elektrotechnik entscheidet, kommt er also im ersten Semester in Kurse, die so überlaufen sind, dass ein entspanntest Lernen gar nicht möglich ist. Dazu kommt, dass die Lehrpläne in den Schulen nicht einheitlich sind, so dass die Erstsemester alle nicht auf dem gleichen Stand sind. 

Analog dazu haben beispielsweise Studenten in der Informatik ein Buch „Informatik“ herausgegeben, in dem die Grundlagen der Informatik zusammengefasst werden, damit die Studenten auf demselben Level sind. Gibt es aber für den Maschinen- und Anlagenbau und die Elektrotechnik bisher nicht. 

Dann zu unseren Profs. Als Absolvent weiß ich, wie unterschiedlich die Fähigkeiten der Professoren in der Lehre ist. Wir hatten dort teils Honks, da fragte man sich, ob sie eher fünfte Klasse Hauptschule abgebrochen und aus Versehen in die Uni gerutscht waren. Grausam. Oft bringen die Studenten ihren Profs mehr bei als umgekehrt. 

grottig viel zu lernen

Dann gibt es die Riege von Profs, die schlicht keine Lust hat zu unterrichten, sondern die Professur C4 nur annahm, erstens weil sie keinen weiteren Job erhielten (ach Gott, die bewerben sich ja nicht, sondern werden „berufen“ – Schwachsinn, sie bewerben sich und beten, dass sie den Job bekommen) oder weil sie sich ihren eigenen Forschungen widmen wollen. Und da stören Studenten nur. Viele Profs machen es ganz raffitacktisch – und stellen Studenten als Wissenschaftliche Hilfskräfte an, die deren Unterricht dann bestreiten müssen, obwohl sie selbst oft keinen Plan von der Materie haben. Geil. 

Dann gibt es noch die Riege der Profs, die zwar Lehren will, aber schlicht didaktische Katastrophen sind. Einige Universitäten in Deutschland trauen sich, ihre Lehrpläne sowohl im Maschinen- und Anlagenbau als auch in der Elektrotechnik öffentlich zu machen. Bei den Dingern hat man den Eindruck, sie wollten Alchemisten ausbilden. Können geht anders. 

Und dann die gemischte Ausbildung. Männlein und Weiblein zusammen. Mittlerweile sollte selbst dem verblödetsten Prof klar sein, dass Männer anders lernen als Frauen. Wieder habe ich eine Analogie: In der Schule war ich eine Katastrophe im Sport (eine Katastrophe, nicht eine Kanone). Und das blieb auch so. Als 30-jährige machte ich einen Kurs „Sporttrainerin“ mit – irgendwo musste das Geld herkommen. Das war nur ein Wochenende. Danach kam ich lässig über einen 1,80 Bock rüber, ohne mir die Haxen zu brechen oder das arme Ding umzuschmeißen, ich konnte einen Aufschwung UND ich kletterte mit Leichtigkeit eine 3,50 Wand hinauf. WAS? DAS KANN ICH DOCH GAR NICHT GEWESEN SEIN! Doch konnte ich, habe ich. Warum? Weil bei diesem Wochenende Männlein und Weiblein getrennt waren. Die Bewegungsfolge, aber auch die Kognition, um eine sportliche Leistung erbringen zu können, sind bei Männern und Frauen völlig unterschiedlich. Es bedarf nicht allzu viel Intelligenz, um sich vorzustellen, dass dies bei allen intellektuellen Leistungen der Fall sein dürfte.

Wieder zurück zum Studium. Alle Studenten werden in einen Topf geschmissen. Dumm nur, dass Menschen erstens unterschiedlich gebaut sind. Der eine versteht am besten durch Hören, der andere durch Sehen, der Dritte durch Lesen, der Vierte durch Vormachen. Leider haben wir in den Unis Frontalunterricht. Ich weiß nicht, wie oft ich im Unterricht eingeschlafen sind, weil „der ältere Herr“ dort vorn ohne Ende sabbelte, ohne etwas zu sagen. Irgendwann ging ich nicht mehr hin, sondern las mir alles an – und nutzte Youtube. Wieder eine Analogie: In Physik war ich läppischer Durchschnitt. Für meinen neuen Roman „Sandors Attacke“ habe ich mir in ca. 2 Monaten die Grundlagen der Atomphysik / Quantenphysik erarbeitet.

Zuhause lernen ist am schönsten

Im Studium Sozialwissenschaften schrieb ich meine Diplomarbeit in Nanotechnologie. (Eigentlich schrieb ich sie viermal, da ich die Auflage vom Prof hatte, dass ich nur eine Zensur bekäme, wenn er die Arbeit verstünde – Ich schrieb die erste Version, der Prof raffte nichts. Ich schrieb die zweite Version, der Prof raffte nichts. Ich schrieb die dritte Version, der Prof raffte nichts. Bei der vierten Version einigten wir uns auf eine reine Zitatensammlung. Für das Ergebnis hätte kein Student eine Zensur erhalten. Da ich aber schon drei Versionen vorgelegt hatte, bekam ich dennoch eine gute Zensur – soviel zur Allgemeinbildung unserer Profs. Denn ich behaupte, dass ich alle drei Versionen für Laien geschrieben habe).

Worauf ich hinaus will bezüglich des Studiums: Es wird keine Rücksicht auf die individuellen Bedürfnisse der Studenten genommen. Es werden so viele Erstsemester aufgenommen wie möglich, um die Kohle zu kassieren, denn die Unis erhalten ihre Gelder nach der Erstsemesterzahl. Es wird nicht geprüft, ob jemand – für das entsprechende Fach – überhaupt geeignet ist, zu studieren. Die Zeche zahlen die wirklich Interessierten. Dennoch wissen die Kultusminister in aller Regel nicht, wie viele Erstsemester in den einzelnen Jahren ihr Studium beginnen. Und so tun sich jährlich riesige finanzielle schwarze Löcher auf, die gestopft werden wollen. 

So komme ich zum nächsten Punkt: der Ressourcen- und Gelderschieberei. Je nachdem, wie intensiv sich Unternehmen für die einzelne Universität „bemühen“ mit Geld- und Sachspenden, pumpen sie die Universitäten ihrerseits ihre Gelder in die einzelnen Fakultäten. Dass die Sozial- und Geisteswissenschaften dabei regelmäßig zu kurz kommen, liegt auf der Hand. Firmen stellen Produkte her. Die größten und finanziell leistungsstärksten Förderer kommen logischerweise aus der Industrie. 

So hat die Fakultät Informatik an der HAW-Hamburg beispielsweise 163 Profs, 11 Bachelor- und 10 Master- Studiengänge

Die Life Science Fakultät 89 Profs, 9 Bachelor und 9 Master-Studiengänge.

Die Fakultät Design, Medien und Information 72 Profs, 8 Bachelor und 8 Master-Studiengänge.

Die Fakultät Wirtschaft und Soziales mit ihren Departments „Pflege und Management“, „Public Management“, „Soziale Arbeit“ und „Wirtschaft“, 88 Profs, 9 Bachelor und 9 Master-Studiengänge. Was glauben Sie, wo 2/3 der Profs eingesetzt werden? Ganz sicher nicht in der Pflege. Natürlich bei der goldenen Kuh Wirtschaft.

Dabei mutet es schon fast komisch an, wenn die Regierung sabbelt, dass es Studiengänge mit geringer Nachfrage wie Physik und Soziales gäbe. Da hängt nicht zufällig irgendwas mit irgendwas zusammen?

Tatsächlich herrscht in den meisten Universitäten Personalnot. So gab es 2015 nicht einmal 7.000 Profs in NRW. Diese Zahl hat sich bis heute kaum verändert – und in den anderen Bundesländern sieht es auch nicht besser aus. Tatsächlich brächte jedes Bundesland ca. 30 Prozent mehr Profs. Aber Hand aufs Herz; Würden Sie in heruntergekommenen Auditorien arbeiten wollen, in denen es mit Ach und Krach eine Mikrofonanlage gibt – die häufig nicht funktioniert, einer Leinwand, die regelmäßig streikt beim Herabfahren, Sitzreihen, die regelrecht nach Alter stinken und an einer Hochschule, in der es darauf ankommt, dass Sie ein guter Sprinter sind? Schließlich müssen Sie zuerst im Technikraum sein, um für Ihre Veranstaltung noch einen Beamer zu erhalten. 

Und nicht nur, dass die Räume igitt sind, mit Kritzeleien verschmiert und unter deren Tischen und Sitzgelegenheiten sich viele Dinge finden, aber auch noch nutzbare Kaugummis. Brechen auch hin und wieder die Stühle zusammen. Obwohl; vermutlich lag das an mir. Mit meinen lächerlichen 60 kg fühlte sich der Stuhl vermutlich nicht wirklich ausgelastet – und schüttelte mich ab. Tatsächlich finden sich in Hörsälen, in denen maximal 300 Studenten sitzen sollten, manchmal fast die doppelte Menge. Bis auf die Flure sitzen und stehen sie und hoffen, den einen oder anderen Wortfetzen noch zu erhaschen. Wobei die besten Plätze in den ersten Reihen natürlich von älteren Herrschaften, den Gasthörern belegt werden. 

Anstatt nun aber für mehr Raum zu sorgen, wurde der Vorlesungsbeginn einfach um eine halbe Stunde vorgezogen, die Mittagspause auf eine halbe Stunde beschränkt und die Vorlesungszeit bis in den späten Abend – nicht selten bis 22.00 Uhr ausgedehnt. Klar ziehen sich die Vorlesungen über den ganzen Tag, ist man gerade abends noch superfit und freut sich riesig auf ellenlange aussagekräftige Diskussionen. Von der Konzentration des Lehrpersonals gar nicht zu reden. 

Tatsächlich bieten die deutschen Universitäten nur sehr wenig, um die Interessierten dazu zu provozieren, in Deutschland zu studieren. Und dann erwartet irgendein Ulkusminister, dass junge Menschen mit Freude zu den Tempeln des Wissens strömen – und gerade in Fächern, die wirklich qualitativ hoch anspruchsvoll sind? Och nö! Nicht wirklich!

 

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